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Wertvolle wissenschaftliche Datenbasis
HYDRA beschreibt und quantifiziert erstmals umfassend und bundesweit die Versorgungslage und Therapiesituation von Patienten mit arterieller Hypertonie und Diabetes mellitus. Nach Angaben von Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen, Dresden/ München, und den anderen Wissenschaftlern der Studienleitung (Prof. Göke, Prof. Lehnert, Prof. Ritz, Prof. Unger, Prof. Kirch, Prof. Sharma, Prof. Tschöpe), liefert die Studie neue und unabdingbare Erkenntnisse zur Häufigkeit, Dauer und Schwere der beiden Erkrankungen. Sie informiert zudem über die aktuelle Qualität der hausärztlichen Versorgung u.a. hinsichtlich Diagnosegüte, Therapie sowie dem angesichts der Altersstruktur ansteigenden Versorgungsaufwand und -bedarf. Die HYDRA-Daten erlauben eine verbesserte Feinabstimmung von Leitlinien und Disease Management Programmen; dies gilt besonders für die speziellen Therapie- und Versorgungsbedürfnisse der überaus häufigen älteren sowie multimorbiden Patienten. Als wichtig hinsichtlich verbesserter Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen sehen die Experten auch die Erkenntnisse zu typischen – und oft krankheitsinadäquaten – Einstellungen von Ärzten und Patienten gegenüber den Erkrankungen, ihren Ursachen und Therapieerfordernissen.
Mehrstufiges klinisch epidemiologisches Studiendesign
In der ersten HYDRA Erhebungsstufe (Vorstudie) wurden im Frühjahr 2001 zunächst die über 2000 repräsentativ ausgewählten Arztpraxen zu ihrer Praxiserfahrung, den diagnostischen und therapeutischen Gewohnheiten, ihren Patienten und etwaigen Spezialisierungen bei Diabetes und Hypertonie und Folgeerkrankungen befragt. Nach der darauf folgenden methodischen Schulung der Ärzte durch die HYDRA-Studienmonitore wurden im zweiten Schritt an den Studientagen (18. bzw. 20. September 2001) alle Patienten der Studienärzte mittels eines Fragebogens zu Beschwerden, Krankheiten, Therapie sowie ihrem Krankheits- und Gesundheitsverhalten befragt. Dabei lag ein Schwerpunkt auf Fragen zu Blutdruck, Diabetes und Folgeerkrankungen. Im dritten abschließenden Teil von HYDRA wurden alle teilnehmenden 45.000 Patienten auch ärztlich untersucht, relevante Laborwerte erhoben und zusammen mit der ärztlichen Gesamtbeurteilung zu Diagnostik, Therapie und Compliance abschließend bewertet. Der statistische Abgleich dieser umfangreichen arzt-, patienten- und versorgungsstrukturellen Daten ermöglicht erstmals wesentlich differenziertere Aussagen als frühere Untersuchungen.
Der multimorbide Patient ist der Regelfall – der komplikationslose reine Hypertonie und Diabetespatient scheint selten zu sein!
Nahezu jeder 2. Hausarztpatient – bei den über 60jährigen mehr als 65% – erhielt die Diagnose arterielle Hypertonie. Diabetes mellitus wurde bei fast jedem 5. Patient, überwiegend zusammen mit der Zusatzdiagnose Hypertonie diagnostiziert. Nahezu 80% dieser Patienten haben zusätzlich zu ihrer Grunderkrankung zumeist mehrere weitere Krankheiten. Ausgeprägte Multimorbidität ist also die Regel in der ärztlichen Versorgung – 17% der Patienten mit Hypertonie und Diabetes wiesen mehr als sechs verschiedene Diagnosen auf. Dramatische und zumeist vielfache Risikoerhöhungen ergeben sich für arteriosklerotische Folgeerkrankungen wie Linksherzhypertrophie, koronare Herzerkrankung und Herzinsuffizienz, arterielle Verschlusskrankheit und zerebralem Insult. Als typische Diabetes – Begleit- bzw. Folgeerkrankungen finden sich häufig der diabetische Fuß, Retinopathie (Erblindung), Neuropathie, Linksherzhypertrophie, Nephropathie (Nierenversagen), Adipositas und Amputationen.
Dies verdeutlicht, dass der Hausarzt nicht als Ausnahmesituation, sondern als Regelfall bei diesen Patienten äußerst komplexe diagnostische und therapeutische Situationen vorfindet. Es ist fraglich, ob die aktuellen Leit- bzw. Richtlinien der tatsächlichen Größenordnung sowie den Versorgungserfordernissen der verschiedenen und komplexen Hochrisiko Patientengruppen ausreichend berücksichtigen. Ebenso ist zu klären, ob die geringe Stichtagsprävalenz „reiner“ Hypertoniker und Diabetiker in der HYDRA-Studie nicht auf unerkannte und bislang nicht diagnostizierte Patienten in den jüngeren Altersgruppen zurückzuführen ist.
Beispiel Nierenschädigung bei Patienten mit Hypertonie und Diabetes
Eine Reihe von Markern hat sich bei der Bestimmung des Risikoprofils der Patienten in Allgemeinpraxen bewährt. Hierzu gehört die Mikroalbiminurie-Testung als guter Hinweis auf eine Nierenschädigung. Hierunter versteht man den Verlust minimalster Eiweißmengen über den Urin, ausgelöst durch strukturelle Schäden an den Nieren. Die Mikroalbuminurie ist ein Marker sowohl für die diabetische Nephropathie als auch für makrovaskuläre Erkrankungen und ist ein Risikofaktor für vorzeitigen kardiovaskulären Tod. Das Vorliegen einer Mikroalbuminurie oder einer Albuminurie macht es erforderlich, nach kardiovaskulären Risikofaktoren zu suchen und gegebenenfalls eine Behandlung einzuleiten: den Blutzucker strenger einstellen, selbst geringfügig erhöhte Blutdruckwerte zu senken, sowie die Eiweißzufuhr zu begrenzen.
Die Hydra Vorstudie zeigt, dass derartige Markeruntersuchungen noch zu selten eingesetzt werden. Nahezu 50% aller Ärzte geben an, „nie oder nur gelegentlich“ auf Mikroalbumnurie zu testen. Am Untersuchungstag der HYDRA-Studie wurden alle Patienten getestet und eine Mikroalbuminurie bei ca. 15% der 16-50jährigen, mit einem Anstieg auf ca. 30% bei den über 80jährigen festgestellt. Die Diagnose der Ärzte weicht jedoch oft von diesem klinischen Befund ab: Nur in etwa einem Drittel der Patienten mit nachgewiesener Mikroalbuminurie stellen sie die Diagnose Nephropathie. Die Nierenschädigung wird also in ihrem frühesten Stadium zu selten erkannt. Medikamente, die den Fortschritt der Nierenschädigung verzögern können (AT1-Antagonisten, ACE-Hemmer), sollten häufiger eingesetzt werden.
Beispiel Hypertonie – das klinisch Notwendige wird in der Praxis nicht umgesetzt
Trotz der Häufigkeit der Erkrankung (etwa jeder 2. Hausarzt-Patient) bei vielfältigen Therapiemöglichkeiten, ist die Güte der Einstellung in der Praxis nicht zufriedenstellend: etwa die Hälfte der Patienten in der hausärztlichen Versorgung ist schlecht eingestellt. HYDRA weist durch den Abgleich der ärztlichen Diagnose mit den Blutdruckwerten vor allem auf drei Problemkreise hin: (1) Häufig – besonders bei jüngeren Patienten sowie Patienten ohne akute Beschwerden – werden die hypertensiven Patienten nicht als solche erkannt (10-27%) und somit nicht behandelt. (2) Auch von den diagnostizierten und medikamentös behandelten Hypertonikern sind fast die Hälfte (42%) nach wie vor hypertensiv. (3) Patienten, die ausschließlich nicht-medikamentös behandelt werden, weisen viel häufiger eine schlechtere Einstellung auf als diejenigen, die mit Antihypertensiva behandelt werden.
Erschwerte Therapie von Hypertonie und Diabetes mellitus bei Begleiterkrankungen
Die medikamentöse Betreuung der Patienten scheint oftmals suboptimal, die geforderten nicht medikamentösen Strategien defizitär zu sein. HYDRA zeigt, dass das Vorliegen mehrerer Erkrankungen offensichtlich eine gute Einstellung von Diabetes und Hypertonie erschwert. Liegen beispielsweise zwei bis drei zusätzliche Diagnosen zur "Basisdiagnose" Diabetes vor, ist der Anteil von schlecht eingestellten Diabetikern im Vergleich zu den Patienten ohne Zusatzdiagnosen um fast das Achtfache erhöht.
Aus den engen Zusammenhängen zwischen unzureichender medikamentöser Einstellung mit spezifischen Mustern der Multimorbidität sowie mangelhaftem Krankheitswissen und Compliance auf Seiten der Patienten lassen sich möglicherweise effektivere patienten- und krankheitsgerechtere Behandlungsstrategien ableiten. Priorität in Hinblick auf kosteneffizientere Strategien ist dabei neben der Früherkennung und -intervention von Hypertonie und Diabetes vor allem die Verhinderung der Progression zu besonders kostenintensiven Folgeerkrankungen.
Weitere Informationen zur Studie erhalten Sie via E-Mail unter info@hydra-studie.de .
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Stand: 15. Mai 2009
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